Antworten der OB-Kandidat*innen

Freizeitangebote, Jugendräume & Treffpunkte

In Oldenburg fehlen in manchen Stadtteilen verlässliche Treffpunkte für junge Menschen. Orte, die einfach da sind, ohne Konsumzwang und ohne Anmeldung.

Welche konkreten Pläne haben Sie, um Jugendräume und Freizeitangebote in Oldenburg zu erhalten oder auszubauen? Gibt es Stadtteile oder Zielgruppen, denen Sie dabei besondere Aufmerksamkeit widmen würden?

Ralph Butzin

In den Stadtteilen, Kreyenbrück, Donnerschwee, Bloherfelde und Nadorst besteht aus meiner Sicht im Moment am meisten Bedarf. Soziale Brennpunkte, durch Nachverdichtung sind viele neue Wohngebiete entstanden, oder auch sozial benachteiligte Familien spielen hier eine große Rolle. Auch das große Entwicklungsgebiet am Fliegerhorst sollten wir schon im Blick haben. Es geht nicht nur um Unterstände, oder betreute Jugendtreffs, sondern auch darum Räume anzubieten, wo sich Jugendliche selbstverwaltend zurückziehen können und nur im Bedarf auf Unterstützung zurück greifen können.

Sebastian Fröhlich

Jugendräume brauchen keine Anmeldung und keinen Konsumzwang – das stimmt. Wir wollen bestehende Jugendzentren sichern und Stadtteile mit Nachholbedarf gezielt stärken. Gleichzeitig sind Sportvereine, Kulturinitiativen und Musikschulen wichtige Treffpunkte, die wir als Partner einbeziehen wollen. Unser Ziel: niedrigschwellige Angebote ohne unnötige Bürokratie, gut erreichbar in allen Stadtteilen Oldenburgs – ob Innenstadt, Donnerschwee oder Eversten.

Jascha Rohr

Ich habe mit verschiedenen Gruppen gesprochen, unter anderem mit den Pfadfindern und dem Mädchenhaus Oldenburg, und war beim Jugendforum. Ich glaube dass Jugendliche selbstbestimmte Räume brauchen, die sie selbst organisieren können und auf die Erwachsene möglichst wenig Einfluss nehmen. Ich möchte mit der Stadt gucken welche Liegenschaften sich für solche Räume eignen und auch welche zusätzlichen Räume die Stadt anmieten oder in Kooperation mit Vereinen und Organisationen zur Verfügung stellen kann. Eine Idee ist die Nutzung von Gemeindehäusern, für die die Kirche Nachnutzungen sucht.

Ulf Prange

Die Jugendfreizeitstätten sind wichtige Treffpunkte in den Stadtteilen, die ich stärken werde. In den Stadtteilen brauchen wir weitere Orte für junge Menschen, wie den neuen Skatepark am Schulzentrum Eversten. Kulturangebote für junge Menschen sind mir wichtig. In den letzten Jahren ist die Kulturförderung um Förderprogramme gezielt für junge Menschen erweitert worden. Diese Förderung möchte ich weiter ausbauen. Das Nachtleben in Oldenburg werde ich über einen Nachtbeauftragten stärken und durch ein Awareness-Konzept sicherer machen.

Heike Boldt

Die offene Jugendarbeit muss insgesamt gestärkt werden. Ich setze mich für offene Räume ein, die junge Menschen selbst gestalten können mit Begleitung durch Hauptamtliche. Offen auch im Sinne von barrierefrei und zugänglich für alle Sprachen. Und das in allen Stadtteilen. Dort sollte es auch Beratungsangebote und psychosoziale Begleitung geben, vor allem, wenn Psychotherapie durch Bundespolitik massiv eingeschränkt wird.

Holger Martin Wilkens

Verlässliche Orte ohne Konsumzwang sind Daseinsvorsorge, keine Kür. Als OB werde ich das Haus der Jugend und die Arbeit des Stadtjugendrings stärken statt an Angeboten zu sparen. Priorität: Stadtteile mit wenig Infrastruktur und Jugendliche, die bisher kaum erreicht werden, etwa durch aufsuchende Jugendarbeit.

Byanca Küßner

Jugendliche haben nicht immer die Möglichkeit sich zuhause mit Freunden zu treffen. Dadurch ist insbesondere in der Innenstadt zu beobachten, dass sich Jugendliche dort aufhalten. Der Aufenthalt in der Innenstadt ist normalerweise damit verbunden, dass Geld ausgegeben werden muss, um Spaß zu haben. Deshalb möchte ich mich für ein modernes Jugendzentrum in der Stadt einsetzen. Dieses könnte einen „Lounge“- Charakter haben. Eine Lounge, in der die Jugendlichen nicht auf sich alleine gestellt sind, sondern ausgebildete Pädagogen vor Ort wären, an die sich die Jugendlichen bei Problemen wenden.

Polizeigewalt, Rassismus & Konsequenzen

Am 20. April 2025 wurde der 21-jährige Lorenz A. in Oldenburg von einem Polizisten erschossen. Seitdem fordern viele junge Menschen in unserer Stadt Aufklärung und Konsequenzen. Schwarze Jugendliche und junge Menschen mit Migrationsgeschichte berichten, dass sie sich durch die Polizei nicht geschützt, sondern bedroht fühlen.

Wie stehen Sie zur Forderung nach einer unabhängigen Aufarbeitung des Falls Lorenz? Welche konkreten Schritte werden Sie auf kommunaler Ebene unternehmen oder einfordern, um Aufklärung voranzutreiben und Vertrauen wiederherzustellen? Und: Was tun Sie dafür, dass sich alle jungen Menschen in Oldenburg, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft, sicher fühlen können?

Ralph Butzin

Grundsätzlich ist es ein strukturelles Problem, denn es braucht unabhängige Beschwerdestellen für Jugendliche, denen sie vertrauen. Hinzu müssen das verbindliche Tragen von Bodycams und die Kennzeichnungspflicht von Polizei und Ordnungsamt ein fester Bestandteil der Ausstattung der Ordnungskräfte sein. Hinsichtlich des tragischen Todes des jungen 21 jährigen Menschen, Lorenz A. kann ich zur Aufklärung nichts beitragen, denn dies liegt in den Händen der Staatsanwaltschaften. Der Austausch zwischen Jugendlichen und der Polizei würde aber diesen Prozess unterstützen.

Sebastian Fröhlich

Der Tod von Lorenz hat viele erschüttert. Eine transparente, unabhängige Aufklärung muss sein und liegt im Interesse aller. Vertrauen in staatliche Institutionen entsteht durch nachvollziehbare Verfahren und offene Kommunikation, nicht durch Schweigen. Gleichzeitig brauchen wir eine leistungsfähige Polizei, die alle Menschen schützt und respektvoll behandelt. Beides gehört zusammen: Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit für jeden Menschen in unserer Stadt. Ein junger Mensch ist tot, ein anderer junger Mensch hat ihn in Ausübung seines Dienstes getötet. Wir müssen beide Seiten betrachten.

Jascha Rohr

Der Fall Lorenz macht mich sehr betroffen. Ich hoffe und erwarte, dass der Fall sehr sauber und rechtsstaatlich aufgearbeitet wird, um das Vertrauen in unsere Institutionen zu stärken. Wir brauchen eine gute Polizei, die in unserer Stadt für Sicherheit sorgt und allen Menschen unabhängig von Identitätsmerkmalen Schutz und Hilfe bietet. Dafür will ich daran mitarbeiten, dass die Polizei bürgernah, deeskalierend und antidiskriminierend arbeitet. Racial Profiling darf es nicht geben. Ich möchte gerne zu einem vertrauenschaffenden Dialog beitragen, und die Arbeit des Präventionsrats unterstützen.

Ulf Prange

Der Tod von Lorenz A. muss rückhaltlos aufgeklärt werden. Die Aufklärung von Straftaten obliegt den Gerichten, die unabhängig und frei von politischer Einflussnahme entscheiden. Ich habe die Erwartung und das Vertrauen, dass das Landgericht die Geschehnisse vom 20. April 2025 lückenlos und transparent aufklärt. Ich werde dafür sorgen, dass alle Beteiligten enger zusammenarbeiten, Ansprechpersonen sichtbarer sind und Beschwerden ernst genommen werden. Wichtig ist mir, dass die Perspektive von Menschen mit eigener Diskriminierungserfahrung in die Antidiskriminierungsarbeit einfließt.

Heike Boldt

Die unabhängige Aufarbeitung ist weiterhin wichtig und durch das gerichtliche Verfahren nicht abgeschlossen. Ich setze mich für Gespräche mit der Polizei ein, bei der es um die Perspektiven der von Rassismus und konkret Polizeigewalt betroffenen Menschen geht. Die Polizei muss sich mit strukturellem Rassismus auseinandersetzen, also muss sie ernsthaft zuhören und verstehen. Ebenso Ordnungsdienst, Verwaltung, Oberbürgermeister*in. Für mehr Sicherheit kann ich mir unabhängige Teams vorstellen - ähnlich Awareness-Teams - die Unterstützung anbieten und deeskalierend eingreifen können.

Holger Martin Wilkens

Der Tod von Lorenz A. hat mich erschüttert – das Verfahren läuft vor Gericht und muss unabhängig, ohne politische Vorfestlegung aufgeklärt werden; das ist Aufgabe der Justiz, nicht der Stadtspitze. Als OB kann ich: kommunale Präventions- und Antidiskriminierungsarbeit ausbauen, Sicherheit und Respekt dürfen nicht von Hautfarbe …

Byanca Küßner

Lorenz war mehrfach Thema in meinem Werte und Normen Unterricht. Eine transparente sowie unabhängige Aufklärung ist selbstverständlich dringend notwendig. Eine unabhängige Antidiskriminierungs- und Beschwerdeberatung ist sinnvoll. Das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen und dass alle Menschen gleichbehandelt werden, ist für unsere Stadt von größter Bedeutung. Eine vom Land externe institutionelle Untersuchung ist wichtig, allerdings muss ich auch ehrlich auf die begrenzte kommunale Zuständigkeit hinweisen.

Mobilität

Wer kein Auto hat und wenig Geld, kommt in Oldenburg nicht überall hin, besonders abends und in Randlagen.

Was werden Sie tun, damit junge Menschen in Oldenburg, auch ohne Auto und ohne viel Geld, gut und sicher mobil sein können?

Ralph Butzin

Es braucht wie in anderen Städten auch beförderte Frauen- und Jugendtaxis. Auch spezielle Nachttarife für den ÖPNV würden die Lage verbessern. Entscheidend ist dafür auch, dass die Taktung der Busse auch in der Nacht weitergeführt wird. Dafür braucht es zentrale Knotenpunkte, die kameraüberwacht sind, um die Sicherheit dort zu gewährleisten. Das "Heimwegtelefon" ist auch ein guter erster Schritt um sicher nach hause zu gelangen.

Sebastian Fröhlich

Mobilität bedeutet Freiheit – und die darf nicht vom Geldbeutel oder Wohnort abhängen. Wir wollen bessere Busverbindungen in den Abendstunden, sichere und lückenlose Radwege sowie flexible On-Demand-Angebote für Randlagen wie Ohmstede oder Etzhorn. Dabei wollen wir verschiedene Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen: Wer Bus fahren will, soll das können. Wer aufs Fahrrad setzt, braucht sichere Wege. Erreichbarkeit von Schulen, Ausbildungsplätzen und Freizeitangeboten hat Priorität.

Jascha Rohr

Ich werde mich für ein durchgängiges und sicheres Fahrradwege- und -straßennetz und einen ÖPNV mit besserer Taktung, höherer Pünktlichkeit, mehr Querverbindungen einsetzen. Busse müssen zuverlässig auch Endstationen anfahren. Ich möchte, dass es günstige Bezahloptionen für Menschen gibt, die sich den jetzigen ÖPNV nicht leisten können. Dafür werde ich mit der VWG bestehende und zukünftige Ticketoptionen ausloten, um mit den politischen Fraktionen für ein einfaches, faires und günstiges System zu sorgen. Ich wünsche mir eine Mobilitätsapp, für alle Verkehrsmittel und günstige Verbindungen.

Ulf Prange

Mit dem kostenlosen Bus am Samstag und an den verkaufsoffenen Sonntagen haben wir in Oldenburg bereits ein sehr attraktives Angebot geschaffen. Auch die Taktzeiten der VWG-Busse unter der Woche wurden verbessert. In den Tagesrandzeiten und am Wochenende braucht es zusätzliche Angebote. Für diese Zeiträume setze ich auf On-Demand Verkehre. Grundsätzlich will ich den ÖPNV in Oldenburg attraktiver und günstiger machen. Mit dem TIM-Ticket gibt es ein kostengünstiges Nahverkehrsticket für junge Menschen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies von der Stadt bezuschusst wird.

Heike Boldt

Mein Fokus liegt auf einem gut ausgebauten, kostenfreien Bus- und Bahnnetz mit höherer Taktung, Verbindungen zwischen den Stadtteilen und mehr Angeboten in der Nacht, ggf. durch Kleinbusse, die häufiger fahren. So können sich alle Menschen gut bewegen. Rad - und Gehwege müssen repariert und ausgebaut werden - Gehwege so, dass sie keine Stolperfallen sind und man sich gut mit Geh-Einschränkungen bewegen kann. Für einige Straßen braucht es ganz neue Konzepte, so dass Bus, Rad und Fußgänger*innen Vorrang haben. Entlang der Schienen sollten Stadtteilbahnhöfe entstehen - z.B. Krusenbusch, Etzhorn.

Holger Martin Wilkens

Wer kein Auto hat, braucht einen ÖPNV, der abends und in Randlagen wirklich fährt. Mein Grundsatz: erst ausbauen, dann einschränken– dichtere Taktung auch spätabends, sichere, gut beleuchtete Rad- und Fußwege in die Stadtteile, und ein spürbar vergünstigtes Jugendticket. Als OB kann ich das über die Verwaltungsspitze bei Stadtwerken/VWG priorisieren und in den Haushaltsentwurf einsteuern – trotz angespannter Kassenlage ist das für mich Daseinsvorsorge, keine Kür.

Byanca Küßner

Junge Menschen sollen möglichst günstig mobil bleiben. Auch nachts und in Randlagen ist es für mich wichtig, dass die VWG die Taktung und die Anschlüsse optimiert, an denen ein besonderer Bedarf besteht. Außerdem müssen die Ticketpreise insbesondere für junge Menschen günstig bleiben. Es wäre toll, das Konzept, dass Busfahren an Samstagen kostenlos ist, auf weitere Tage auszuweiten, natürlich insoweit die finanzielle Lage dies zulässt. Die vorhandenen Radwege müssen erneuert und ausgebaut werden.

Klimaschutz & lebenswerte Stadt

Hitzetage in der Stadt, fehlende Grünflächen, Überschwemmungen: der Klimawandel ist in Oldenburg längst angekommen und betrifft junge Menschen direkt.

Was wollen Sie in Oldenburg konkret für mehr Klimaschutz und eine lebenswerte Stadt tun und wie beziehen Sie junge Menschen dabei ein?

Ralph Butzin

Ich bin 56 Jahre alt und werde statistisch gesehen in zwanzig Jahren nicht mehr leben. Das ist schon Grund genug die jungen Menschen miteinzubeziehen. Wir müssen entsiegeln, Anreize schaffen, um dies auch umzusetzen und klare Vorschriften für Großflächen wie Supermärkte, Bäume und Erholungsbereiche mit Bäumen als Ausgleich für Parkplätze, die mit Rasensteinen belegt werden müssen, zu schaffen. Auch Steingärten müssen der Vergangenheit angehören. Leider ist dies nicht nur mit Aufklärung zu leisten, sondern es braucht auch in diesem Fällen Vorschriften, um die Zukunft für Sie lebenswert zu gestalten.

Sebastian Fröhlich

Klimaschutz funktioniert dauerhaft nur, wenn konkrete Maßnahmen spürbar werden. Wir wollen mehr Stadtgrün, konsequente Entsiegelung versiegelter Flächen und bessere Starkregenvorsorge. Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden müssen schneller genehmigt, Genehmigungsbürokratie abgebaut werden. Smarte Verkehrssteuerung reduziert Staus und Emissionen zugleich. Junge Menschen sollen nicht nur als Betroffene gesehen werden, sondern als Ideengeber – über digitale Beteiligungsformate und Reallabore in der Stadt.

Jascha Rohr

Oldenburg muss eine Schwammstadt werden: mehr Entsiegelung, 10.000 neue Bäume, besseren Baumschutz, Fassaden- und Dachbegrünung, Zugang zum Wasser und Trinkbrunnen und öffentliche kühle Orte. Das ist grüne und blaue Infrastruktur, die konsequent in der Stadtplanung mitgedacht werden muss, sodass ein durchgängiger Biotopverbund und ein grünes Netz in der Stadt entstehen. Bei solchen Projekten würde ich das noch zu gründende Jugendparlament mit einbeziehen und im engen Austausch mit engagierten Jugendlichen im Umwelt- und Klimaschutzbereich zusammenarbeiten.

Ulf Prange

Ich sehe die Stadt bei öffentlichen Gebäuden in einer Vorreiterrolle, will, dass Oldenburg klimagerecht baut und bei privaten Bauvorhaben klimagerechtes Bauen fördert. Durch gute Angebote will ich den ÖPNV und den Radverkehr stärken. Klimaanpassungsmaßnahmen will ich vorantreiben. Hier setze ich auf mehr Straßenbäume, Entsiegelung und Regenrückhaltung, damit Oldenburg auf Hitzesommer und Starkregenereignisse besser vorbereitet ist. Ich will alle beteiligen, indem wir dem Beispiel andere Städte folgen und das Projekt "Abpflastern" durchführen, um versiegelte Flächen in Grünflächen umzuwandeln.

Heike Boldt

Die Stadt muss konsequent klimaneutral bauen und umbauen/sanieren, muss Bäume erhalten, Grünflächen erhalten. Jedes Bauprojekt muss entsprechende Maßnahmen enthalten - egal ob Gebäude oder Straße. Investoren müssen entsprechende Vorgaben umsetzen. Ideenwerkstätten, in denen junge Menschen mit Expert*innen und Stadtverwaltung Lösungen entwickeln und an der Umsetzung arbeiten, daraus Anträge für den Stadtrat entstehen und wirklich umgesetzt werden, wäre eine Idee - ähnlich FFF. Ich würde auch den mobilen Stadtwald/-garten ausbauen für mehr grüne Plätze, die trotzdem Platz für Demos bieten.

Holger Martin Wilkens

Klimaanpassung ist für Oldenburg längst Gegenwartsaufgabe: mehr Bäume, Entsiegelung, Regenwassermanagement, kühle Rückzugsorte im Sommer. Den Klimaschutzplan 2035 mit über 90, teils seit 2019 liegengebliebenen Projekten werde ich ehrlich evaluieren und priorisieren lassen. Junge Menschen will ich dabei nicht nur anhören, sondern einbinden: über eine Art Jugendparlament, Schulprojekte und eigene Workshops zu konkreten Flächen im Stadtteil.

Byanca Küßner

Jugendliche sollten frühzeitig an Klima-, Verkehrs- und Freiraumplanungen beteiligt werden, nicht nur bei Aktionen helfen. FFF hat den Leitantrag zum Klimaschutzplan der Stadt erstellt und mit der Stadt zusammen am Klimaschutzplan. Das ist eine wichtige Beteiligungsform. Für mich zählt, dass wir Stadtgrün erhalten und ausbauen. Außerdem müssen Flächen entsiegelt werden, um kühlere, lebenswertere Orte in der Stadt zu schaffen. Insgesamt ist es aber auch von hoher Bedeutung, dass wir Ressourcen sparen und nachhaltigere Ressourcen und erneuerbare Energien.

Digitale Teilhabe & Sicherheit im Netz

Digitale Teilhabe gehört heute zum Alltag. Gleichzeitig gibt es Jugendeinrichtungen ohne WLAN, fehlende digitale Beteiligungsmöglichkeiten und Debatten über Social-Media-Verbote für Minderjährige. Zudem machen viele junge Menschen Erfahrungen mit Hass, Mobbing oder Betrug im Netz.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass alle jungen Menschen in Oldenburg digital teilhaben können? Und welche Rolle soll die Stadt dabei spielen, junge Menschen vor Risiken im digitalen Raum zu schützen?

Ralph Butzin

Es braucht den gleichberechtigen Zugang zu Infrastruktur, Bildung, Schutzräumen wo die Mitbestimmung garantiert ist. Ob öffentliches WLAN im Stadtgebiet oder kostenfrei Endgeräte. Teilhabe darf kein Recht privilegierter Kinder und Jugendlichen sein. Ich möchte aber auch anmerken, dass ich sehr wohl für den Schutz im Internet einstehe und ich mich stark für hohe Strafen im Bereich der jugendgefährdenden Inhalte einsetzen werde.

Sebastian Fröhlich

Digitale Teilhabe beginnt mit funktionierender Infrastruktur: WLAN in allen Jugendzentren und Schulen ist kein Luxus. Wir wollen außerdem digitale Beteiligungsmöglichkeiten ausbauen, damit junge Menschen Stadtpolitik auch online mitgestalten können. Beim Schutz vor Hass, Mobbing und Betrug im Netz setzen wir auf Medienkompetenz statt Verbote – Aufklärung und Prävention sind wirksamer als pauschale Einschränkungen. Die Stadt sollte hier Schulen und Jugendzentren aktiv unterstützen.

Jascha Rohr

Oldenburg braucht eine Cybersecurity-Strategie für alle öffentlichen Ämter und Behörden und sollte dabei auch in enger Kooperation mit Schulen und Hochschulen arbeiten. Bildungseinrichtung und öffentliche Orte wie Bibliotheken benötigen WLAN-Zugänge. Präventionsprogramme wie im Mädchentreff (Selbstverteidigung im digitalen Raum) finde ich sehr unterstützenswert. Solche Programme sollte es für alle Kinder und Jugendlichen geben, z.B. auch an Schulen. Und es braucht eine Anlaufstelle für schnelle Hilfe bei Mobbing oder digitaler Gewalt sowie für die Unterstützung bei der Anzeige von Straftaten.

Ulf Prange

Mir ist wichtig, dass alle jungen Menschen die gleichen Chancen haben, digital teilzuhaben, unabhängig von Herkunft und finanziellen Möglichkeiten. Ich setze mich für mehr kostenloses WLAN an öffentlichen Orten ein und die Stärkung von Medienkompetenz durch gute Bildungsangebote. Ich will ferner dafür sorgen, dass junge Menschen sich sicher im digitalen Raum bewegen, durch Aufklärung und Präventionsarbeit. Entsprechende Angebote an Schulen, in Jugendfreizeitstätten werde ich gemeinsam mit dem Präventionsrat, den Jugendverbänden und Bildungsträgern ausbauen.

Heike Boldt

Kostenloses Wlan über Freifunk/Hotspots muss ausgebaut und Jugendräume entsprechend ausgestattet werden. Auch digitale Teilhabe muss barrierefrei sein in allen Aspekten. Geräte könnten in Zusammenarbeit mit den Repaircafés zur Verfügung gestellt werden, wenn nötig. Zum Schutz vor Risiken braucht es medienpädagogische Angebote in den Schulen und der Jugendarbeit - auch für Eltern und Lehrkräfte. Es braucht mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität aller. Hinweisen muss konsequent nachgegangen werden.

Holger Martin Wilkens

Seit Januar 2026 bündelt das neue Amt für digitale Transformation die IT der Verwaltung – darauf baue ich auf: WLAN in allen Jugendeinrichtungen als Standard, eine digitale Beteiligungsplattform mit echtem Vorschlagsrecht für Jugendliche, und niedrigschwellige städtische Beratung bei Mobbing, Hass und Betrug im Netz, in Kooperation mit Schulen und Jugendarbeit.

Byanca Küßner

Grundvoraussetzung für Bildung, Ausbildung, Partizipation und für unsere Demokratie, weshalb junge Menschen nicht aufgrund von fehlender Ausstattung oder Medienkompetenz abgehängt werden dürfen. Auch wenn die Stadt nicht alle Rahmenbedingungen selbst bestimmt, kann sie Präventionsangebote und Betreuung nach Cybermobbing anbieten und mit Jugendzentren, Bibliotheken und Vereinen gefordert Angebote zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche digitale Kompetenzen erwerben und sicher anwenden lernen.

Bezahlbarer Wohnraum

Wer volljährig wird und ausziehen möchte oder muss, findet in Oldenburg mitunter nur schwer bezahlbare WG-Zimmer oder Wohnungen. Sozialer Wohnungsbau berücksichtigt junge Menschen oft zu wenig.

Was wollen Sie konkret tun, damit junge Menschen in Oldenburg bezahlbar wohnen können? Wie stehen Sie zu sozialem Wohnungsbau speziell für junge Menschen?

Ralph Butzin

Es braucht eine zentrale Fachstelle für wohnen. Dort werden alle freien Wohnungen der freien Träger zusammengefaßt, damit der Suchende nicht jeden sozialen Träger kontaktieren muss. Hier können auch private Anbieter ihren Wohnraum kostenfrei zur Verfügung stellen. Darüber hinaus strebe ich das Modell "Pro bono" an. Bei diesem Projekt wohnen junge Menschen kostenlos bei älteren Herrschaften. Sie erhalten ein Zimmer mit z.B. 20 m² und helfen dafür ca. 20 Stunden bei alltäglichen Dingen, wie Einkauf, Garten, oder begleiten bei Arztbesuchen. Ich bin für schnelle pragmatische Lösungen.

Sebastian Fröhlich

Wer in Oldenburg volljährig wird und eine Wohnung sucht, braucht keine Versprechen – sondern mehr Wohnungen. Wir wollen Baugenehmigungsverfahren beschleunigen, Nachverdichtung und die Umnutzung leerstehender Gebäude erleichtern sowie gezielt Azubi- und Studierendenwohnungen fördern. Sozialer Wohnungsbau ist wichtig, löst das Problem allein aber nicht. Entscheidend ist: mehr Angebot insgesamt. Wer schnell und unkompliziert bauen darf, schafft Wohnraum – das hilft jungen Menschen am direktesten.

Jascha Rohr

Junge Menschen müssen in Oldenburg bezahlbare Wohnungen finden. Zustände wie beim Hermann-Ehlert-Haus sind nicht hinzunehmen. Die GSG baut gerade neue, günstige Wohnungen und wird ihre Anstrengungen verstärken. Mit der neuen Wohnungsgesellschaft haben wir die Möglichkeit, neue Wohnmodelle und -konzepte auszuprobieren. Z.B. helfen, dass ältere Menschen einen Teil ihrer allein bewohnten Einfamilienhäuser vermieten, bestehende Gebäude ertüchtigen und Tiny Houses zulassen. In der Mischung verschiedener kurzfristiger und mittelfristiger Maßnahmen können wir dem Problem begegnen.

Ulf Prange

Die hohen Mietkosten in Oldenburg treffen insbesondere junge Menschen und Familien, die einen großen Teil ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben müssen. Ich will gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft und der GSG preiswerten Wohnraum schaffen, setze auf eine verbindliche Sozialquote bei Neubauvorhaben und werde dafür sorgen, dass Leerstände für Wohnen genutzt werden, durch eine Leerstandsatzung und Fördermittel für Umbau und Sanierung. Das Förderprogramm "Junges Wohnen" des Landes werde ich nutzen, um gezielt Wohnraum für Auszubildende und Studierende zu schaffen.

Heike Boldt

Die DGB-Jugend hat ein AzubiWerk vorgeschlagen, eine Art Wohnheim für Azubis. Die Idee finde ich charmant. Die Wirtschaft muss hier mit einbezogen werden. Darüber hinaus gilt, dass Wohnen aus der Marktlogik genommen werden muss und wir konsequent kommunal und gemeinnützig bauen, um günstige Wohnungen zur Verfügung zu stellen, die barrierefrei und klimaneutral sind. Wenn ältere Menschen in ihren Häusern Wohnraum für junge Menschen bereitstellen wollen, sollte das unterstützt werden durch Beratung und ggf. der Umbau selbst.

Holger Martin Wilkens

Fast 3.000 Wohnungen stehen in Oldenburg leer – hier setze ich zuerst an: ein städtisches Belegungsmanagement, das Eigentümer aktiv anspricht, statt neue Programme zu erfinden. Sozialer Wohnungsbau für junge Menschen ist für mich kein Nebenthema, sondern Voraussetzung dafür, dass Oldenburg für die nächste Generation bezahlbar bleibt.

Byanca Küßner

Wohnraum: Allerdings möchte ich keine schnellen Versprechen abgeben, bevor noch unklar ist wie die vorhandenen Instrumente wirklich wirken. Dennoch ist es mir ein Anliegen, dass die Stadtverwaltung die Rahmenbedingungen für diesen Weg ebnet. Deshalb würde ich zuerst transparent erheben lassen: Wie viele bezahlbare 1-2 Zimmer- Wohnungen entstehen, wann laufen Bindungen aus, wie oft werden Sozialquoten abgesenkt, wo gibt es Baurecht, ohne dass gebaut wird? Diese Daten sollten jährlich veröffentlicht werden. Jugendwohnheime, Azubi Campus sind wichtig, ich setze mich dafür ein.

Psychische Gesundheit & Beratungsangebote

Immer mehr junge Menschen suchen Unterstützung bei psychischen Belastungen und stoßen auf lange Wartelisten oder fehlende Angebote in ihrer Nähe.

Was wollen Sie tun, um jungen Menschen in Oldenburg schnelle und unkomplizierte Unterstützung zu gewährleisten, wenn sie sie brauchen? Welche Lücken im bestehenden Angebot sehen Sie?

Ralph Butzin

Leider kann ich nicht genau nachvollziehen welche Form der Unterstützung genau gemeint ist. Wenn es um den Erhalt von sozialen Leistungen gehen soll, bestehen in diesem Zusammenhang zwei Probleme: Die Geschwindigkeit der Bearbeitung und die Bürokratie. Grade im Bereich der sozialen Leistungen würde ich mehr Mitarbeiter auch grade in der Bearbeitung einsetzen und auch um sicher beraten zu können. Selbstverständlich müssen Anträge online gestellt werden können. Schnell und mit einer Rückmeldung bis wann die Bearbeitung erfolgt ist und mit einer Statusmeldung.

Sebastian Fröhlich

Lange Wartelisten und fehlende Anlaufstellen sind ein reales Problem. Wir wollen vorhandene Angebote besser vernetzen und die Schulsozialarbeit stärken – denn frühe Unterstützung verhindert Krisen. Niedrigschwellige Erstberatung, die ohne Überweisung und ohne lange Wartezeit erreichbar ist, muss ausgebaut werden. Wichtig ist außerdem: Jugendliche müssen wissen, wohin sie sich wenden können. Mehr Transparenz über bestehende Angebote ist oft der erste und entscheidende Schritt.

Jascha Rohr

Mir ist das Problem bewusst, ich habe es in vielen Gesprächen gehört. Psychosoziale Beratung wird von der Stadt, von privaten Institutionen, über die kassenärztliche Vereinigung und z.B. das Studienwerk angeboten. Trotzdem ist die Auslastung hoch und die Wartezeiten lang. Die Stadt muss ihre eigenen Dienste aufstocken und andere Angebote auch finanziell und organisatorisch unterstützen. Gleichzeitig müssen wir den Service und die Terminvergabe besser organisieren und koordinieren. Am besten für die psy. Gesundheit ist Prävention und Resilienztraining, dafür setze ich mich ein.

Ulf Prange

Die psychische Gesundheit junger Menschen muss für eine Stadt eine sehr hohe Priorität haben, auch wenn viele Zuständigkeiten bei Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung und Land liegen. Ich setze auf feste Ansprechpersonen an Schulen sowie eine enge Vernetzung von Jugendhilfe und AkteurInnen aus dem Gesundheitswesen. Beim Sozialpsychiatrischer Dienst der Stadt will ich Krisen- und Beratungsangebote für junge Menschen ansiedeln, damit diese frühzeitig Hilfe erhalten, bevor sich Belastungen verschärfen.

Heike Boldt

Hier sind gute Jugendarbeit und Räume mit Unterstützungsangeboten wichtig. Dafür braucht es mehr Personal, um mehr Zeit zu haben, das erste Ansprechperson sein kann, falls es andere nicht sein können. Es braucht mehr Wohlfühlorte und Save Spaces für Zuflucht, wenn alles zu viel ist. Hier kann auf die Erfahrung mit Awareness-Teams bei Demos gebaut werden. Außerdem sollte es in den Stadtteilen kommunale Gesundheitszentren geben, die auch Psychotherapieangebote enthalten. Die Finanzierung ist dann Aufgabe der Stadt, die sie ernst nehmen muss.

Holger Martin Wilkens

Lange Wartelisten bei psychischer Belastung sind für junge Menschen besonders gefährlich. Die größte Lücke sehe ich bei niedrigschwelligen, schnellen Erstanlaufstellen ohne Diagnose-Hürde, direkt in Jugendeinrichtungen und Schulen. Als OB kann ich die Verwaltung anweisen, bestehende Angebote (Jugendhilfezentrum, Schulsozialarbeit) besser zu vernetzen und Kooperationen mit dem Klinikum sowie freien Trägern auszubauen, damit Jugendliche schneller einen ersten Ansprechpartner finden, statt monatelang auf einen Therapieplatz zu warten.

Byanca Küßner

Ich setze mich für frühe, präventive Unterstützung, unkompliziert ohne lange Wartezeiten ein. Das Gegenteil ist derzeit der Fall und wir sind an den Schulen hier mit psychologischen Hilfemöglichkeiten unzureichend versorgt. Ehrlicherweise liegen viele Zuständigkeiten im Land und Bund, dennoch brauchen wir dringend Jugendzentren, in denen mehr Pädagogen für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Für die fehlende psychotherapeutische Unterstützung benötigen Schulen Psychologen, eine kostenlose und möglichst anonyme Erstberatung, offene Sprechstunden, Traumaexperten

Schule & Bildungsinfrastruktur

Der Zustand von Schulgebäuden und Berufsschulen ist für junge Menschen direkt spürbar. Ob es genug Platz, moderne Ausstattung und gute Lernbedingungen gibt, hat viel damit zu tun, wie ernst Bildungspolitik vor Ort genommen wird.

Wie wollen Sie den Zustand der Schulgebäude in Oldenburg verbessern? Welche Investitionen halten Sie für dringend notwendig?

Ralph Butzin

Durch das Förderprogrogramm des Bundes werden ca. 85 Mio. in die Hälfte der Schulen investiert. Auch das Start - Chancen Programm hilft. Trotzdem werden ca. 30 Mio. dringend für Schulsporthallen benötigt, um den Vereins- und Schulsport abbilden zu können. Das muss sofort geschehen. Wir müssen Prioritäten setzen und die Haushaltsmittel zielgerichtetert und wirkungsvoller einsetzen. Kein Stadion, wenn die Mittel nicht bereit stehen. Schulen und Sporthallen sind wichtiger. Das wäre meine Entscheidung gewesen.

Sebastian Fröhlich

Marode Schulgebäude, fehlende Fachräume, stockende Digitalisierung – das erleben junge Menschen täglich. Wir wollen Sanierung vor Prestigeprojekten: Funktionsfähige Toiletten, moderne Naturwissenschaftsräume und zuverlässiges WLAN haben Vorrang. Investitionen müssen nach tatsächlichem Bedarf priorisiert werden, nicht nach politischer Symbolwirkung. Ganztag braucht ausreichend Platz und Personal. Bildungsinfrastruktur ist keine Nebensache – sie zeigt, wie ernst wir Chancengerechtigkeit nehmen.

Jascha Rohr

Die Grundausstattung muss unter allen Umständen durch die Stadt gewährleistet werden. Darüber hinaus sind mehr Differenzialräume für eine bessere Umsetzung von Inklusion und eine bessere technische und digitale Ausstattung notwendig. Ich würde mir zudem wünschen, dass Schulen offenere Lernorte werden und moderne pädagogische Konzepte umsetzen. Die Stadt Oldenburg tut schon viel und kann noch mehr tun. Ein besonders großes Problem sind aber vor allem die langen Beschaffungs- und Umsetzungszeiten und die Bürokratie. Hier muss die Stadt deutlich schneller und effizienter werden.

Ulf Prange

Gute Bildung ist der Schlüssel für Teilhabe. Den Ganztagsausbau und die großen Schulbaumaßnahmen, bspw. am Schulzentrum Alexanderstraße und am BZTG will ich beschleunigen, indem ich den zuständige Eigenbetrieb der Stadt stärke. Ferner werde ich mehr Geld für die Instandhaltung unserer Schulen bereitstellen, damit der Sanierungsstau abgebaut wird. Ferner benötigen wir in unseren Schulen eine individuell gestaltbare Lernatmosphäre durch flexible Raumkonzepte sowie eine gute digitale Ausstattung. Schulbegleitung und Schulsozialarbeit will ich stärken und die Schulwegsicherheit verbessern.

Heike Boldt

Ein Teil der Schulen und Sporthallen wurde bereits saniert oder ausgebaut, andere müssen noch folgen, so dass überall moderne Gebäude entstehen. Wichtig ist auch hier klimaneutrales und barrierefreies Bauen und der Versuch auch Gebäude als Grünfläche zu benutzen. Ansonsten würde ich auf die Erfahrung des Stadtschüler*innenrates und der Schüler*innen und Lehrer*innen setzen. Eine gute Investition ist auch hier in Personal, also Schulhausmeister*innen und Reinigungskräfte, um den guten Zustand von Gebäuden zu erhalten und den Mehraufwand durch Begrünung oder neue Technik aufzufangen.

Holger Martin Wilkens

Der Sanierungsstau an Oldenburgs Schulen ist real – Projekte wie GS Hogenkamp oder das neue Gymnasium Alexanderstraße zeigen die Dimension. Als OB werde ich eine ehrliche Bestandsaufnahme aller Schulgebäude einfordern und Investitionen priorisieren, statt sie auf Prestigeprojekte zu verteilen: Daseinsvorsorge vor Neubauten anderswo. Für den Rechtsanspruch auf Ganztag ab August 2026 müssen Räume und Personal jetzt gesichert werden, nicht erst wenn Eltern klagen. Berufsschulen dürfen dabei nicht vergessen werden.

Byanca Küßner

Gute Bildung braucht gute Gebäude, dringend ist die Sanierung maroder Schulgebäude und Turnhallen. Insgesamt brauchen wir inklusive Lernorte, an denen sich alle wohlfühlen können. Schule ist ein Lern- und Lebensraum! Sanierung und Neubauten müssen schneller werden, ständige Verzögerungen erhöhen die Kosten und die Schüler*innen und alle in Schule Beschäftigten sind die Leidtragenden. Dringend und zeitnah investiert werden muss in die Sanitäranlagen, in Brandschutz, in Barrierefreiheit, gute Belüftung und Hitzeschutz und Bänke, Begrünung und Spielgeräte auf Schulhöfen.

Mitbestimmung & Jugendparlament

Viele junge Menschen wünschen sich, dass ihre Meinung in der Stadtpolitik stärker gehört wird, und dass vor der Wahl gemachte Versprechen nach der Wahl eingehalten werden.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass junge Menschen in Oldenburg bei Entscheidungen, die sie betreffen, wirklich gehört werden? Welche Rolle soll das Jugendparlament dabei spielen und wie wollen Sie seine Arbeit unterstützen?

Ralph Butzin

Ich würde das Jugendparlament mit einer Stimme im Stadtrat ausstatten. Da das formal nicht umsetzbar ist, aber der Oberbürgermeister über ein Stimmrecht verfügt, würde ich dies nutzen, um es dem Jugendparlament zur Verfügung zu stellen und im Sinne des Jugendparlamentes abzustimmen. So fühlen sich die jungen Menschen ernst genommen und haben eine reale Stimme im Stadtrat. Hinzu kommt ein regelmäßiger Austausch im Vorfeld der jeweiligen Ausschüsse, um sich abzustimmen.

Sebastian Fröhlich

Beteiligung muss Wirkung haben – sonst ist sie Symbolpolitik. Wir wollen, dass das Jugendparlament feste Anhörungsrechte in relevanten Stadtratsentscheidungen erhält und dass Vorschläge junger Menschen nachvollziehbar beantwortet werden: Was wurde umgesetzt? Was nicht, und warum? Ergänzend brauchen wir digitale Beteiligungsformate, die auch jene erreichen, die keine Zeit für regelmäßige Sitzungen haben. Beteiligung muss niedrigschwellig, sichtbar und wirksam sein – nicht nur gut gemeint.

Jascha Rohr

Ich setze mich für ein Jugendparlament ein und begrüße eine Gründung sehr. Ich werde mich selbst dafür einsetzen, dass das Jugendparlament wie andere Gremien auch (Behindertenbeirat, Senior:innenvertretung etc) transparent und wirksam in die Stadtgestaltung eingebunden sind. Dass heißt, dass die Rechte, Pflichten, Mitsprachemöglichkeiten und Entscheidungsspielräume sehr klar und fair definiert werden. Ich würde als OB eine direkte offene Tür für das Jugendparlament haben. Jugend muss ihre Zukunft mitgestalten können, für eine generationsgerechte Stadt.

Ulf Prange

Mir ist es sehr wichtig, dass junge Menschen besser und früher bei sie betreffenden Fragen beteiligt werden. Die Arbeit der Jugendverbände werde ich deshalb stärken und neue Formen der Jugendbeteiligung einrichten. Dafür werden Orte und Treffpunkte für junge Menschen in allen Stadtteilen benötigt. Ein dauerhaftes Jugendparlament soll jungen Menschen eine verbindliche und transparente Mitbestimmung ermöglichen, damit ihre Perspektiven in kommunalpolitische Entscheidungen einfließen.

Heike Boldt

Wenn das Jugendparlament wie der Stadtrat "in klein" funktioniert, sollte es Anträge an den Stadtrat stellen können, die dort genauso ernst genommen werden, wie Anträge der Ratsmitglieder. Hauptamtliche Unterstützung über Partnerschaften für Demokratie muss dafür sichergestellt werden. Das Jugendparlament sollte mind. 1 Mitglied in die Ausschüsse der Stadt entsenden können, um auf die Auswirkungen der Entscheidungen auf junge Menschen hinzuweisen. Wichtig ist, dass alle jungen Menschen die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen, also Hürden niedrig sein müssen. Die Mischung macht es.

Holger Martin Wilkens

Mein Ziel ist ein echtes Jugendparlament: Schulen, Jugendverbände und der Stadtjugendring kommen regelmäßig zusammen, entwickeln Ideen in Workshops und bringen sie in den Rat ein. Als OB kann ich das aus der Verwaltung heraus ermöglichen: eine feste Ansprechperson, Räume und ggf. städtische Grundstücke oder Gebäudeteile für eigene Projekte bereitstellen, und ein eigenes Budget vorschlagen. Ehrenamt in der Jugendarbeit will ich durch einfachere Förderanträge und mehr Anerkennung stärken.

Byanca Küßner

Jugendforum war am 16.6., das nächste ist laut pfd Seite erst wieder am 17.9.26. Auch wenn bis Mitte August Ferien sind, ist das eine lange Pause und am 13.9. stehen Wahlen an. In Oldenburg leben ca. 28.200 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, ich verspreche eine regelmäßige Jugendsprechstunde ähnlich der Bürger*innensprechsstunde einzurichten, das ist mir eine Herzensangelegenheit diesen Austausch zu ermöglichen. Ein Jugendparlament gibt es bisher nicht. Eine sehr engagierte Arbeitsgruppe zur Kinder- und Jugendbeteiligung, bei dem das Konzept aber noch nicht endgültig fertiggestellt ist.

Sportförderung & Sportinfrastruktur

Sportvereine und -anlagen sind für viele junge Menschen zentrale Orte der Begegnung, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Doch Hallenzeiten sind oft knapp, Sanierungsbedarf ist an manchen Standorten spürbar und Vereinsbeiträge sind für manche junge Menschen eine echte Hürde.

Wie wollen Sie Sportvereine und Sportinfrastruktur in Oldenburg stärken? Was tun Sie dafür, dass Sport für alle jungen Menschen zugänglich bleibt, unabhängig vom Geldbeutel?

Ralph Butzin

Vereine sind eine "Heimat" für viele Menschen. Sie finden dort halt und Gemeinschaft. Sport ist quasi der Anlass sich zu treffen. Es geht aber um sozialen Zusammenhalt, Freundschaften und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Die Sportübungsleiter müssen von der Stadt gefördert werden, denn die Vereine können das nicht mehr ausgleichen und gleichzeitig die Mitgleidsbeiträge stabil halten. Für junge Menschen, die über kein Einkommen verfügen, muss es eine stark vergünstigte "Freizeitkarte" geben. Ich denke an eine Ermäßigung von 50 %, oder sich wahlweise im Verein engagieren.

Sebastian Fröhlich

Sport ist Gesundheitsförderung, Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt zugleich. Wir wollen die Sportstättenförderung auf 40 % erhöhen, Hallenzeiten bedarfsgerecht vergeben und Vereine von unnötiger Bürokratie entlasten. Kein Kind soll aus finanziellen Gründen ausgeschlossen werden: Bestehende Förderinstrumente wie das Bildungs- und Teilhabepaket und der Oldenburg-Pass müssen einfacher zugänglich und besser bekannt gemacht werden. Sportvereine sind unverzichtbare Partner für Integration, Prävention und gesundes Aufwachsen in Oldenburg.

Jascha Rohr

Ich habe mich mit dem Stadtsportbund und Vereinen getroffen. Dort wird großartige Arbeit geleistet. Ich werde mich für mehr Koordination, eine bessere und eventuell gesamtstädtische Abstimmung der Nutzungszeiten einsetzen und starke Stadtteilkooperationen fördern, sodass Vereine, Schulen, Gemeinden etc. ihre Ressourcen besser zugänglich machen können. Daneben sind einige Hallensanierungen und Neubauten in Planung. Vereinsbeiträge sind idR gestaffelt; hier müssen wir Jugendlichen ohne finanzielle Mittel Mitgliedschaften ermöglichen und über vorhandene Möglichkeiten besser informieren.

Ulf Prange

Mein Ziel ist ein vielfältiges Sportangebot für alle, denn Sport fördert Gesundheit, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Die Sportvereine erhalten von der Stadt Zuschüsse und können städtische Sportanlagen zu günstigen Konditionen nutzen. Dies ist in den Sportförderrichtlinien geregelt. Die Sportförderrichtlinien werde ich im Dialog mit dem Stadtsportbund und den Sportvereinen weiterentwickeln. Ferner werde ich dafür sorgen, dass stärker in Sportstätten investiert wird. Die Förderung von Mitgliedsbeiträgen für Kinder und Jugendliche will ich fortsetzen und das Verfahren vereinfachen.

Heike Boldt

Sportangebote sind wichtig. Es braucht leicht zugängliche, moderne Sportanlagen und -hallen, Skateparks, Bolzplätze. Der Sportpark Kreyenbrück kann ein Vorbild auch für andere Stadtteile sein. Für moderne Hallen sollte Geld aus dem Infrastruktur-Topf, also vom Bund, zur Verfügung gestellt werden. Falls das neue Stadion gebaut wird, muss es dort Platz und Räume für den Breitensport geben. Dafür kann man auch die Umgebung in den Blick nehmen. Das Stadion muss zugänglich für alle sein. Gute Angebote gibt es z.B. vom Fanprojekt der Faninitiative, die erhalten bleiben müssen.

Holger Martin Wilkens

Sportvereine sind Orte der Begegnung – für mich wichtiger als ein neues Prestigestadion für rund 60 Mio. Euro. Ich setze auf Ertüchtigung des Marschwegstadions für Liga-, Schul- und Breitensport statt Neubau, und auf den Abbau des Sanierungsstaus bei Sporthallen und -plätzen in den Stadtteilen. Vereinsbeiträge dürfen kein Ausschlusskriterium sein: Ich will Zuschüsse für einkommensschwache Familien ausbauen und Hallenzeiten fairer vergeben, damit Sport für alle jungen Menschen zugänglich bleibt.

Byanca Küßner

Sport ist sehr wichtig. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. Daher schlage ich vor, dass wir die Angebote an Outdoor-Sportbereichen, wie z.B. Calesthenics ausbauen und erweitern. Sportvereine sollen weiterhin unterstützt werden, die Kooperationen für den Ganztagesbereich mit Schulen gestärkt und ausgebaut werden. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist mir eine Unterstützung bei Vereinsbeiträgen wichtig sowie öffentlich zugängliche Sportflächen ohne Mitgliedschaft, inklusive Angebote durch Übungsleiter*innen. Darüber hinaus fehlen „Bolzplätze“ in den Stadtteilen.

Priorisierung

Welche zwei der oben genannten Themen haben für Sie persönlich die höchste Priorität in der nächsten Wahlperiode und warum?

Ralph Butzin

Wohnen ist ein Grundrecht und ist die größte Problematik, mit der wir uns in der Zukunft beschäftigen müssen. Hinzu kommt noch, dass dieser bezahlbar sein muss. Die "B - Scheine" dürfen nicht weiter abgesenkt werden. Außerdem ist es ein Schritt in die Selbstständigkeit. Vereine bieten Halt, Freundschaft und Unterstützung. Für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt unabdingbar.

Sebastian Fröhlich

Gute Bildung und bezahlbares Wohnen sind die Grundlage für Chancengerechtigkeit – unabhängig von Herkunft oder Einkommen. Wer in einer sanierten Schule lernt und nach dem Abschluss eine bezahlbare Wohnung findet, erlebt, dass Politik funktioniert. Hier haben junge Menschen in Oldenburg den direktesten Alltagsbezug und den größten Handlungsbedarf. Beides sind kommunal gestaltbare Aufgaben, bei denen wir konkret liefern können und wollen.

Jascha Rohr

Bezahlbarer Wohnraum ist das drängendste Problem, das den Alltag direkt betrifft. Mitbestimmung ist die Grundlage dafür, dass wir alle anderen Themen gemeinsam priorisieren und angehen können.

Ulf Prange

Die Stärkung der Mitbestimmung junger Menschen wird sicherstellen, dass sie bei allen Themen mehr Gehör finden und ihre Themen einbringen können. Deshalb hat dieses Thema für mich Priorität. Den angespannten Wohnungsmarkt und die hohen Mieten in Oldenburg nehme ich als ein großes soziales Problem wahr. Wohnen darf kein Luxus sein. Deshalb werde ich mich mit all meiner Kraft dafür einsetzen, dass bezahlbarer Wohnraum in Oldenburg geschaffen wird.

Heike Boldt

Fokus auf Polizeigewalt und Rassismus, weil ich die Sicherheit von Schwarzen Menschen und People of Colour ernst nehme und das Thema nicht untergehen darf. Dafür will ich mir Zeit nehmen. Die anderen Themen stehen eh im Fokus. Bezahlbarer Wohnraum ist wichtig, weil alle in Oldenburg auch wohnen dürfen müssen, ohne dass das gesamte Einkommen aufgefressen wird. Mit den Kürzungen beim Wohngeld wird sich die Lage noch zuspitzen, auch für junge Menschen, die noch bei ihren Familien wohnen. Man muss die Möglichkeit haben, die Familie verlassen zu können. Auch den gewalttätigen Partner.

Holger Martin Wilkens

Echte Mitbestimmung und verlässliche Räume sind die Grundlage für alles andere: Nur wenn junge Menschen strukturell gehört werden und Orte haben, die ihnen gehören, wirken auch Maßnahmen bei Mobilität, Wohnen oder Klimaschutz nachhaltig. Als Oberbürgermeister habe ich hier den direktesten Hebel – über Verwaltungsorganisation, Flächen und Haushaltsvorschläge –, um aus Ankündigungen konkrete, überprüfbare Ergebnisse zu machen.

Byanca Küßner

Jugendräume und Bildung sind meine Herzthemen und das Jugendparlament, weil ich Mitbestimmung für demokratisches Handeln wichtig finde.

Wir haben alle demokratischen Parteien und OB-Kandidat*innen angeschrieben. Von einigen haben wir keine Rückmeldung erhalten, daher sind sie hier nicht aufgeführt.

Du hast noch Fragen zur Wahl?

Hier findest du weitere nützliche Informationen zur Wahl!

Wie wird gewählt?

Fragen und Antworten zur Kommunalwahl

https://www.wahlen-in-niedersachsen.de/kommunalwahl/